{"id":5965,"date":"2019-06-06T02:00:00","date_gmt":"2019-06-06T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fiwonline.de\/fachgespraech-des-frankfurter-instituts-fuer-das-recht-der-eu-ist-es-sachgerecht-im-kartellrecht-nicht-wettbewerbliche-ziele-zu-verfolgen\/"},"modified":"2019-06-06T02:00:00","modified_gmt":"2019-06-06T00:00:00","slug":"fachgespraech-des-frankfurter-instituts-fuer-das-recht-der-eu-ist-es-sachgerecht-im-kartellrecht-nicht-wettbewerbliche-ziele-zu-verfolgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fiwonline.de\/en\/fachgespraech-des-frankfurter-instituts-fuer-das-recht-der-eu-ist-es-sachgerecht-im-kartellrecht-nicht-wettbewerbliche-ziele-zu-verfolgen\/","title":{"rendered":"Fachgespr\u00e4ch des Frankfurter Instituts f\u00fcr das Recht der EU \u2013 \u201eIst es sachgerecht, im Kartellrecht nicht-wettbewerbliche Ziele zu verfolgen?\u201c"},"content":{"rendered":"<div class=\"elementor-post\">\n                <!-- \n\n<div class=\"elementor-date\" style=\"font-size: 14px; color: #666;\">06.06.2019<\/div>\n\n --><\/p>\n<div class=\"elementor-keywords\">\n<div class=\"keywords-container\" style=\"background: linear-gradient(to bottom, #eee, #f5f5f5); box-shadow: 2px 2px 10px rgba(0, 0, 0, 0.28); padding: 1em 0em 1em 1em; margin: 1em 0 2em 0; border-radius: 1px; line-height: 1.5;\">\n<div class=\"title-h6\" style=\"font-size: 12pt; line-height: 18.75pt; font-weight: bold; text-align: left; color: #393D50;\">D<br \/>Frankfurter Institut f\u00fcr das Recht der EU<br \/>Kartellrecht<br \/>Nicht-wettbewerbliche Ziele<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"elementor-content\" style=\"font-size: 16px; line-height: 1.5;\">\n<p>Am 27. Mai 2019 wurde in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften bei einem vom Frankfurter Institut f\u00fcr das Recht der EU (kurz:\u201efireu&#8220;) veranstalteten Fachgespr\u00e4ch die Frage diskutiert, ob und inwieweit die Ber\u00fccksichtigung nicht-wettbewerblicher Ziele in der Kartellrechtspraxis m\u00f6glich oder sogar geboten ist.<\/p>\n<p>Die Veranstaltung wurde von <span style=\"text-decoration: underline;\">Prof. Dr. Br\u00f6mmelmeyer<\/span>, gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Direktor des fireu, und<strong> <\/strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Prof. Dr. L\u00fcbbig<\/span>, Partner bei Freshfields Bruckhaus Deringer, er\u00f6ffnet. Hierbei wurde bereits die wachsende Herausforderung f\u00fcr die Industrie durch nicht-wettbewerbliche Ziele &#8211; beispielsweise Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Datenschutz und Menschenrechtsgesichtspunkte &#8211; deutlich. L\u00fcbbig betonte, dass neben der Einhaltung des Rechts vermehrt soziale und gemeinwohlorientierte Erwartungen an die Unternehmen gestellt w\u00fcrden. Erf\u00fcllten sie diese Erwartungen, etwa durch die Festschreibung sozialerer Produktionsstandards in Selbstverpflichtungserkl\u00e4rungen oder Branchenkodizes, drohten ihnen m\u00f6glicherweise Sanktionen durch die Kartellbeh\u00f6rden wegen eines Versto\u00dfes gegen das Kartellrecht.<\/p>\n<p>Deshalb &#8211; so <span style=\"text-decoration: underline;\">Prof. Dr. Thomas<\/span>, Universit\u00e4tsprofessor an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen &#8211; werde der im Wettbewerbsrecht vorherrschende <em>Consumer-Welfare<\/em>-Ansatz in den USA und Europa zunehmend kritisiert. Statt einer Beschr\u00e4nkung auf Wettbewerb und Preiseffekte sollten in der kartellrechtlichen Pr\u00fcfung den Kritikern zufolge vermehrt soziale und gemeinwohlorientierte Aspekte Ber\u00fccksichtigung finden. Thomas stand einer solchen Ber\u00fccksichtigung nicht-wettbewerblicher Ziele nach geltender Rechtslage skeptisch gegen\u00fcber, da der tradierte <em>Consumer-Welfare<\/em>-Ansatz eindeutig im Kartellrecht angelegt sei. Dies zeige insbesondere Art. 101 AEUV. Demnach d\u00fcrften die Kartellbeh\u00f6rden weder wettbewerbsbeschr\u00e4nkende Verhaltensweisen zugunsten nicht-wettbewerblicher Ziele legitimieren, noch d\u00fcrften sie Verhaltensweisen, die zwar nicht-wettbewerbliche Ziele missachten, aber nicht zu Wettbewerbsbeschr\u00e4nkungen f\u00fchren, sanktionieren. Vor dem Hintergrund beurteilte er auch die im vergangenen Februar ergangene Entscheidung des Bundeskartellamts kritisch, in der das Amt Facebook die Zusammenf\u00fchrung von Nutzerdaten untersagte und damit datenschutzrechtliche Aspekte in der kartellrechtlichen Pr\u00fcfung zugrunde gelegt habe. Weitere Argumente, die gegen die Verfolgung nicht-wettbewerblicher Ziele im Kartellrecht spr\u00e4chen, seien potenzielle Kompetenzkonflikte zwischen Kartellbeh\u00f6rden und anderen Beh\u00f6rden sowie die Schwierigkeit der Definition und Gewichtung derartiger Ziele. Damit k\u00f6nnten die Gef\u00e4hrdung der politischen Unabh\u00e4ngigkeit der Kartellbeh\u00f6rden sowie der Legitimation ihrer Entscheidungen einhergehen. Nur ausnahmsweise hielt Thomas eine Ber\u00fccksichtigung nicht-wettbewerblicher Ziele \u00fcber eine Freistellungsentscheidung im Einzelfall f\u00fcr m\u00f6glich.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Prof. Dr. Bornkamm<\/span>, Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof a.D., r\u00fcckte schlie\u00dflich die kartellrechtliche Zul\u00e4ssigkeit von Verhaltenskodizes in den Fokus seines Vortrags. Vermehrt verabredeten Unternehmen darin, nicht-wettbewerbliche Ziele zu verfolgen. Diese Praxis beurteilte Bornkamm insbesondere deshalb mit Blick auf das Kartellverbot problematisch, da Verhaltenskodizes keine Grundlage im geltenden Wettbewerbsrecht f\u00e4nden. In dem Zusammenhang rekurrierte er auf zwei Entscheidungen des BGH zu Wettbewerbsregeln von Berufsverb\u00e4nden, die er f\u00fcr bedenklich hielt &#8211; zum einen das Urteil \u201eProbeabonnement&#8220; vom 7. Februar 2006, zum anderen das Urteil \u201eFSA-Kodex&#8220; vom 9. September 2010.<\/p>\n<p>Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass beide Referenten das Ziel des geltenden Kartellrechts trotz ver\u00e4nderter gesellschaftlicher Herausforderungen im Schutz von Wettbewerb und Konsumentenwohlfahrt sahen und einer F\u00f6rderung nicht-wettbewerblicher Ziele durch das Kartellrecht kritisch gegen\u00fcberstanden.<\/p>\n<\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DFrankfurter Institut f\u00fcr das Recht der EUKartellrechtNicht-wettbewerbliche Ziele Am 27. 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